Gibt es Medikamente gegen Fettleber?
Ja — seit 2025 sind erstmals Medikamente in der EU zugelassen, die gezielt gegen die Fettleberentzündung (MASH) wirken. Zuvor gab es keine einzige spezifische Arzneimitteltherapie für diese Erkrankung; die Behandlung beschränkte sich auf Lebensstiländerungen wie Gewichtsabnahme, Ernährungsumstellung und Bewegung.
Aktuell (Stand: April 2026) sind zwei Wirkstoffe in Deutschland verfügbar:
Resmetirom (Handelsname Rezdiffra), ein sogenannter THR-β-Agonist, der seit September 2025 in deutschen Apotheken erhältlich ist. Semaglutid (Handelsname Kayshild), ein GLP-1-Rezeptoragonist, der im April 2026 die EU-Zulassung für MASH erhalten hat.
Beide Medikamente sind ausschließlich für eine bestimmte Patientengruppe zugelassen: Erwachsene mit nicht-zirrhotischer MASH und mittelschwerer bis fortgeschrittener Leberfibrose (Stadien F2 bis F3). Sie werden stets in Kombination mit Ernährungsumstellung und Bewegung eingesetzt — nicht als Ersatz dafür.
MASLD, MASH, NAFLD, NASH — was ist was?
Die Nomenklatur hat sich 2023 international geändert. Was früher „nicht-alkoholische Fettlebererkrankung" (NAFLD) hieß, heißt jetzt MASLD (metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease). Die entzündliche Form, früher NASH, heißt jetzt MASH (metabolic dysfunction-associated steatohepatitis). Die neuen Begriffe betonen, dass metabolische Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen die eigentlichen Treiber der Erkrankung sind.
Mehr dazu: Was ist eine Fettleber? Ursachen, Stadien und SymptomeResmetirom — das erste zugelassene Fettleber-Medikament
Resmetirom (Handelsname Rezdiffra) ist das erste Medikament weltweit, das speziell für die Behandlung der Fettleberentzündung MASH zugelassen wurde. Die EU-Zulassung erfolgte im August 2025 als bedingte Zulassung, die Markteinführung in Deutschland im September 2025. In den USA war der Wirkstoff bereits seit März 2024 verfügbar.
Wie wirkt Resmetirom?
Resmetirom ist ein selektiver Agonist am Schilddrüsenhormonrezeptor Beta (THR-β), der überwiegend in der Leber vorkommt. Durch die Aktivierung dieses Rezeptors fördert der Wirkstoff den Abbau von Fetten (Triglyceriden) in den Leberzellen und steigert die sogenannte Beta-Oxidation — also die Verbrennung von Fettsäuren in den Mitochondrien. Anders als Schilddrüsenhormone wirkt Resmetirom dabei gezielt auf die Leber und beeinflusst Herz und Knochen kaum.
Für wen ist es zugelassen?
Die Zulassung gilt für Erwachsene mit nicht-zirrhotischer MASH und mittelschwerer bis fortgeschrittener Leberfibrose (Fibrosestadien F2 bis F3) — also Patientinnen und Patienten, bei denen die Lebervernarbung bereits fortgeschritten ist, aber noch keine Leberzirrhose vorliegt. Die Anwendung erfolgt immer in Kombination mit Ernährung und Bewegung.
Dosierung und Einnahme
Resmetirom wird als Filmtablette einmal täglich eingenommen. Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht: 80 mg bei unter 100 kg Körpergewicht, 100 mg bei 100 kg oder mehr. Die Tabletten sind in den Stärken 60 mg, 80 mg und 100 mg erhältlich.
Studienlage: MAESTRO-NASH
Die Zulassung basiert auf der Phase-3-Studie MAESTRO-NASH mit über 1.000 Teilnehmenden. Nach 52 Wochen erreichten rund 26–30 % der mit Resmetirom behandelten Patienten eine Auflösung der MASH ohne Verschlechterung der Fibrose, verglichen mit etwa 10 % unter Placebo. Zudem zeigten 27–29 % eine Verbesserung der Leberfibrose um mindestens ein Stadium, gegenüber 17 % unter Placebo.
Nebenwirkungen
Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Durchfall (meist zu Behandlungsbeginn und innerhalb von 2–3 Wochen abklingend), Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Bauchschmerzen. Seltener treten Juckreiz (Pruritus) sowie Entzündungen der Gallenblase (Cholezystitis) auf. Vor und während der Behandlung werden regelmäßige Kontrollen der Leberwerte empfohlen.
Erstattung in Deutschland
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im März 2026 keinen belegten Zusatznutzen für Resmetirom festgestellt. Der Grund: Der Hersteller legte keine Daten vor, die den Vergleich mit der vom G-BA geforderten optimierten Standardtherapie (inklusive Behandlung von Begleiterkrankungen wie Diabetes und Adipositas) ermöglichten. Der Beschluss ist bis Oktober 2029 befristet — mit neuen Langzeitdaten kann sich die Bewertung ändern. Resmetirom ist trotzdem verschreibungs- und erstattungsfähig, jedoch gelten die Preisverhandlungen als laufend.
Semaglutid — der zweite zugelassene Wirkstoff gegen MASH
Semaglutid (Handelsname Kayshild) ist der zweite in der EU zugelassene Wirkstoff zur Behandlung der Fettleberentzündung MASH. Die EU-Zulassung wurde im April 2026 erteilt, nachdem der CHMP (Ausschuss für Humanarzneimittel) im Januar 2026 eine positive Empfehlung ausgesprochen hatte. In den USA war Semaglutid für diese Indikation bereits seit August 2025 zugelassen.
Wie wirkt Semaglutid bei Fettleber?
Semaglutid ist ein GLP-1-Rezeptoragonist — ein Wirkstoff, der das natürliche Darmhormon GLP-1 nachahmt. GLP-1-Rezeptoren wurden auf Leberzellen selbst bisher nicht nachgewiesen. Die Wirkung auf die Leber ist daher wahrscheinlich indirekt: Semaglutid fördert Gewichtsverlust, verbessert den Glukose- und Fettstoffwechsel und reduziert systemische Entzündungen. Über diese Mechanismen werden die Fetteinlagerung in der Leber und die entzündlichen Prozesse günstig beeinflusst.
Semaglutid ist vielen Betroffenen bereits als Wirkstoff in Ozempic (Diabetes) und Wegovy (Adipositas) bekannt. Kayshild ist jedoch ein eigenständiges Präparat, das speziell für die MASH-Indikation zugelassen wurde.
Für wen ist es zugelassen?
Wie bei Resmetirom gilt die Zulassung für Erwachsene mit nicht-zirrhotischer MASH mit mittelschwerer bis fortgeschrittener Leberfibrose (F2–F3), in Kombination mit Ernährungsumstellung und Bewegung.
Dosierung und Anwendung
Kayshild wird als Injektionslösung einmal wöchentlich unter die Haut gespritzt (subkutan), mit schrittweiser Dosissteigerung bis zur Zieldosis von 2,4 mg. Fertigpens sind in Dosierungsstufen von 0,25 mg bis 2,4 mg erhältlich.
Studienlage: ESSENCE
Die Zulassung basiert auf Zwischenergebnissen der Phase-3-Studie ESSENCE. Nach 72 Wochen zeigte sich bei einem signifikant höheren Anteil der mit Semaglutid behandelten Patientinnen und Patienten eine Auflösung der MASH ohne Verschlechterung der Fibrose — sowie eine Verbesserung der Fibrose ohne Verschlechterung der MASH — im Vergleich zu Placebo. Die vollständigen Langzeitergebnisse (über 240 Wochen) werden für 2029 erwartet.
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Erbrechen und Müdigkeit. Diese Beschwerden sind aus der Anwendung von Semaglutid bei Diabetes und Adipositas bereits gut bekannt und treten typischerweise zu Behandlungsbeginn auf, bessern sich aber meist im Verlauf.
Resmetirom vs. Semaglutid: Was unterscheidet die beiden Wirkstoffe?
Beide Medikamente sind für dieselbe Patientengruppe zugelassen (MASH, Fibrose F2–F3, keine Zirrhose), unterscheiden sich aber grundlegend in ihrem Wirkansatz, ihrer Verabreichung und ihrem Nebenwirkungsprofil. Bisher gibt es keine direkte Vergleichsstudie zwischen den beiden Wirkstoffen. Die folgende interaktive Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede im Detail.
Welche neuen Medikamente gegen Fettleber werden entwickelt?
Die Forschung an Fettleber-Medikamenten hat in den letzten Jahren enorm an Dynamik gewonnen. Mehrere Wirkstoffe befinden sich in fortgeschrittenen klinischen Studien (Phase 2 und 3) und könnten in den kommenden Jahren zugelassen werden.
Tirzepatid (Eli Lilly) — dualer GIP/GLP-1-Agonist
Tirzepatid ist bereits als Mounjaro (Diabetes) und Zepbound (Adipositas) auf dem Markt und wird nun auch für MASH untersucht. In der Phase-2-Studie SYNERGY-NASH zeigten sich beeindruckende Ergebnisse: Bis zu 62 % der Teilnehmenden erreichten eine MASH-Auflösung ohne Verschlechterung der Fibrose, verglichen mit 10 % unter Placebo. Auch die Fibrose verbesserte sich bei rund 51–55 % der Behandelten.
Survodutid (Boehringer Ingelheim / Zealand Pharma) — dualer GLP-1/Glukagon-Agonist
Survodutid verfolgt einen anderen Ansatz: Neben der GLP-1-Wirkung aktiviert es zusätzlich den Glukagon-Rezeptor in der Leber. Glukagon steigert direkt die Fettverbrennung in den Leberzellen und erhöht den Energieverbrauch. In einer Phase-2-Studie erreichten bis zu 83 % der Teilnehmenden eine histologische Verbesserung der MASH. Aktuell laufen die Phase-3-Studien SYNCHRONIZE-1 und SYNCHRONIZE-2.
Weitere Wirkstoffkandidaten
Neben den Inkretinen und THR-β-Agonisten werden weitere Ansätze verfolgt: FGF21-Analoga wie Efruxifermin und Pegozafermin zeigen positive Effekte auf Leberfett und Fibrose. Auch PPAR-Agonisten (z. B. Lanifibranor) und Kombinationstherapien werden untersucht — wobei einige Kandidaten wie Obeticholsäure aufgrund von Nebenwirkungen (schwerer Juckreiz) gescheitert sind.
| Wirkstoff | Klasse | Phase | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Tirzepatid | GIP/GLP-1-Agonist | Phase 2 (abgeschlossen) | Hohe MASH-Auflösungsraten, stärkster Gewichtseffekt |
| Survodutid | GLP-1/Glukagon-Agonist | Phase 3 (laufend) | Direkte Leberfettverbrennung über Glukagon |
| Efruxifermin | FGF21-Analogon | Phase 2–3 | Starke Reduktion von Leberfett und Entzündung |
| Pegozafermin | FGF21-Analogon | Phase 2–3 | Lang wirksames FGF21-Analogon, subkutane Injektion |
| Lanifibranor | Pan-PPAR-Agonist | Phase 3 | MASH-Auflösung, aber mögliche Gewichtszunahme |
Behandlung der Begleiterkrankungen bei Fettleber
Fettleber tritt selten isoliert auf. In den allermeisten Fällen besteht gleichzeitig ein metabolisches Syndrom — also eine Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und gestörtem Zuckerstoffwechsel. Die konsequente Behandlung dieser Begleiterkrankungen ist ein zentraler Baustein der Fettleber-Therapie.
Typ-2-Diabetes
Viele Menschen mit MASH haben gleichzeitig einen Typ-2-Diabetes. GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid und Liraglutid, die in der Diabetestherapie bereits etabliert sind, haben in Studien positive Effekte auf die Leber gezeigt. Auch SGLT2-Hemmer können die Leberverfettung günstig beeinflussen. Der Einsatz von Metformin allein hat dagegen keinen nachgewiesenen direkten Effekt auf die Leberfibrose.
Fettstoffwechselstörungen
Statine werden bei MASLD-Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten und kardiovaskulärem Risiko empfohlen und gelten — entgegen einer weit verbreiteten Sorge — auch bei Fettleber als sicher. Da Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache bei MASLD sind, kann die Statintherapie lebensrettend sein.
Bluthochdruck und Adipositas
Die Einstellung des Bluthochdrucks und, wo angezeigt, eine medikamentös unterstützte Gewichtsreduktion gehören ebenfalls zur umfassenden Behandlung. GLP-1-Rezeptoragonisten (zugelassen zur Gewichtsreduktion unter dem Handelsnamen Wegovy) können hier eine doppelte Rolle spielen.
Warum Medikamente allein nicht reichen
Lebensstiländerungen bleiben die Grundlage jeder Fettleber-Therapie — das gilt auch nach der Zulassung neuer Medikamente. Eine Gewichtsabnahme von 7–10 % des Ausgangsgewichts kann bereits zu einer deutlichen Verbesserung der Leberentzündung führen, ab 10 % kann sich sogar bestehende Fibrose zurückbilden. Kein Medikament kann diese Effekte vollständig ersetzen.
Beide zugelassenen Wirkstoffe — Resmetirom und Semaglutid — sind ausdrücklich nur „in Kombination mit Ernährung und Bewegung" zugelassen. In den Zulassungsstudien erhielten auch die Placebo-Gruppen Lebensstilempfehlungen, und selbst dort zeigten sich bei einem Teil der Teilnehmenden messbare Verbesserungen. Das unterstreicht, wie wirksam allein die konsequente Verhaltensänderung sein kann.
Ernährung
Die Leitlinien empfehlen eine kalorienreduzierte, mediterran geprägte Ernährung: reich an Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Fisch und Olivenöl — arm an Zucker, Fruktose, verarbeiteten Lebensmitteln und gesättigten Fetten. Insbesondere Fruktose aus Softdrinks und industriellen Fertigprodukten gilt als besonders leberschädlich, da sie in der Leber direkt zu Fett umgebaut wird. Ein vollständiger Verzicht auf Alkohol wird bei bereits bestehender MASH dringend empfohlen.
Bewegung
Mindestens 150 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche (z. B. zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen) werden empfohlen. Studien zeigen, dass auch Krafttraining die Leberverfettung reduzieren kann — selbst dann, wenn das Körpergewicht dabei nicht sinkt. Entscheidend ist Regelmäßigkeit, nicht die Intensität. Bereits drei bis vier Einheiten à 30–40 Minuten können einen messbaren Unterschied machen.
Nahrungsergänzungsmittel
Mariendistel (Silymarin), Kurkuma, Artischockenextrakt und Omega-3-Fettsäuren werden im Internet häufig als „natürliche Lebertherapie" beworben. Nach aktuellem Wissensstand gibt es für keines dieser Mittel ausreichende wissenschaftliche Evidenz bei MASLD/MASH. Die europäischen und deutschen Leitlinien empfehlen keine Nahrungsergänzungsmittel zur Behandlung der Fettleber. Im schlimmsten Fall verzögern sie die ärztliche Abklärung.
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Für wen kommen Fettleber-Medikamente infrage?
Nicht jeder Mensch mit Fettleber benötigt Medikamente. Die zugelassenen Wirkstoffe richten sich an eine klar definierte Patientengruppe: Erwachsene mit einer gesicherten MASH-Diagnose und mittelschwerer bis fortgeschrittener Leberfibrose (Stadien F2–F3), bei denen trotz Lebensstiländerungen ein Fortschreiten der Erkrankung droht oder dokumentiert ist.
Die Diagnose MASH mit Fibrosestadium erfordert in der Regel eine gründliche Abklärung. Dazu gehören Bluttests (Leberwerte, Fibroseindizes wie FIB-4), bildgebende Verfahren (Ultraschall, Elastographie) und in manchen Fällen eine Leberbiopsie. Nicht-invasive Verfahren wie die transiente Elastographie (FibroScan) spielen eine zunehmend wichtige Rolle.
Der erste Ansprechpartner ist der Hausarzt, der bei Verdacht an einen Gastroenterologen oder Hepatologen überweisen kann. Nur der Facharzt entscheidet über eine medikamentöse Therapie.
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Häufige Fragen zu Fettleber-Medikamenten
Ja. Mit Resmetirom (Rezdiffra) steht seit September 2025 ein Medikament in Tablettenform zur Verfügung, das einmal täglich eingenommen wird. Es ist für Erwachsene mit nicht-zirrhotischer MASH und Fibrose F2–F3 zugelassen. Semaglutid (Kayshild), der zweite zugelassene Wirkstoff, wird hingegen als wöchentliche Spritze verabreicht.
Die aktuell zugelassenen Medikamente können die Fettleberentzündung (MASH) in einem Teil der Fälle zurückbilden und die Leberfibrose verbessern. Von einer vollständigen „Heilung" spricht man derzeit nicht, da die Langzeitdaten noch ausstehen. Die Lebensstiländerung bleibt die Grundlage — Medikamente ergänzen sie.
Resmetirom ist verschreibungspflichtig und grundsätzlich erstattungsfähig. Der G-BA hat im März 2026 allerdings keinen belegten Zusatznutzen festgestellt, was die Preisverhandlungen mit den Krankenkassen beeinflusst. Der Beschluss ist bis 2029 befristet und kann mit neuen Daten revidiert werden.
Ja. Semaglutid wurde unter dem Handelsnamen Kayshild im April 2026 in der EU speziell für die Behandlung der Fettleberentzündung MASH zugelassen. Der Wirkstoff fördert Gewichtsverlust und verbessert dadurch indirekt die Leberentzündung und -vernarbung. Die Zulassung gilt für Patienten mit Fibrose F2–F3 ohne Zirrhose.
Resmetirom wirkt direkt in der Leber auf den Schilddrüsenhormonrezeptor THR-β und fördert dort den Fettabbau. Es wird als tägliche Tablette eingenommen. Semaglutid ist ein GLP-1-Rezeptoragonist, der indirekt über Gewichtsverlust und Stoffwechselverbesserung auf die Leber wirkt und als wöchentliche Spritze verabreicht wird. Beide sind für dieselbe Patientengruppe zugelassen (MASH, F2–F3).
Mehrere vielversprechende Wirkstoffe befinden sich in fortgeschrittener Entwicklung. Tirzepatid (Eli Lilly) zeigte in Phase-2-Studien sehr hohe Raten an MASH-Auflösung. Survodutid (Boehringer Ingelheim) wird aktuell in Phase-3-Studien geprüft und könnte 2027/2028 zugelassen werden. Auch FGF21-Analoga wie Efruxifermin sind vielversprechend.
Obwohl Mariendistel (Silymarin) und Kurkuma in der Volksmedizin verbreitet sind, gibt es nach aktuellem Stand keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz für ihre Wirksamkeit bei MASLD/MASH. Die europäischen und deutschen Leitlinien empfehlen keine Nahrungsergänzungsmittel zur Behandlung der Fettleber.
Die aktuell zugelassenen Medikamente (Resmetirom und Semaglutid) sind für Fibrosestadien F2 und F3 zugelassen — also mittelschwere bis fortgeschrittene Fibrose, aber noch keine Zirrhose. Patienten mit einfacher Steatose oder Fibrose F0–F1 werden primär mit Lebensstiländerungen behandelt.
Nein — derzeit nicht. Beide zugelassenen Wirkstoffe sind ausschließlich für Patienten ohne Leberzirrhose zugelassen (Fibrose F2–F3). Bei dekompensierter Zirrhose wird Resmetirom ausdrücklich nicht empfohlen. Die laufende Studie MAESTRO-NASH OUTCOMES untersucht allerdings den Einsatz von Resmetirom bei Patienten mit kompensierter Zirrhose.
Nein. Statine gelten bei Fettleber als sicher und werden von den Leitlinien sogar ausdrücklich empfohlen, wenn erhöhte Cholesterinwerte und ein kardiovaskuläres Risiko vorliegen. Da Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache bei MASLD sind, kann die Statintherapie potenziell lebensrettend sein. Ein eigenmächtiges Absetzen sollte vermieden werden.
Quellenverzeichnis
- European Association for the Study of the Liver (EASL): Clinical Practice Guidelines on the Management of MASLD. J Hepatol, 2024.
- Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): S2k-Leitlinie Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen, 2022 (Aktualisierung in Arbeit).
- Harrison SA et al.: Resmetirom for Nonalcoholic Fatty Liver Disease (MAESTRO-NASH). N Engl J Med, 2024; 390:497–509.
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Rezdiffra (Resmetirom) — EPAR. Bedingte Zulassung August 2025.
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Beschluss zu Resmetirom, Anlage XII. Beschlussdatum 05.03.2026.
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Resmetirom — Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung A25-117, 15.12.2025.
- Novo Nordisk / EMA: Kayshild (Semaglutid) — bedingte Zulassung für MASH. CHMP-Empfehlung Januar 2026, EU-Zulassung April 2026.
- Loomba R et al.: Tirzepatide for MASH with Liver Fibrosis (SYNERGY-NASH). N Engl J Med, 2024; 391:299–310.
- Sanyal AJ et al.: Survodutide for MASH — Phase 2 Trial Results. Boehringer Ingelheim / Zealand Pharma, 2024.
- Rinella ME et al.: A multisociety Delphi consensus statement on new fatty liver disease nomenclature. Hepatology, 2023; 78(6):1966–1986.