Fettleber in Deutschland: Zahlen, Fakten & Dunkelziffer

Bis zu 25 Millionen Deutsche haben eine Fettleber – die meisten wissen es nicht. Aktuelle Daten zur Verbreitung und den Folgen.

15. Apr. 2026
Fettleber in Deutschland: Zahlen, Fakten & Dunkelziffer

Fettleber in Zahlen: Überblick

Die Fettleber — heute als MASLD (Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease) bezeichnet, früher NAFLD — ist die häufigste chronische Lebererkrankung weltweit. In Deutschland ist etwa jeder vierte Erwachsene betroffen, global sind es rund 32 Prozent.

Trotz dieser enormen Verbreitung bleibt die Fettleber in der öffentlichen Wahrnehmung und in der Gesundheitspolitik weitgehend unsichtbar. Sie taucht in keiner nationalen Strategie für nicht übertragbare Krankheiten auf und wird in den meisten Fällen erst durch Zufall entdeckt. Dieser Artikel fasst die wichtigsten epidemiologischen Daten zur Fettleber zusammen — für Deutschland, Europa und die Welt.

Fakt Rund 18 bis 20 Millionen Erwachsene in Deutschland leben mit einer Fettleber. Weltweit sind über 1,2 Milliarden Menschen betroffen — Tendenz steigend. Quelle: Younossi ZM et al., Hepatology 2023; GBD 2021

📊 20 Millionen Betroffene — wie viele sind das?

Die Fettleber-Epidemie in Deutschland, greifbar gemacht.

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Volkskrankheiten im Vergleich (Deutschland):

Bluthochdruck
~20 Mio.
Fettleber
~18–20 Mio.
Typ-2-Diabetes
~8,5 Mio.
Asthma
~4 Mio.
⚠️ Schätzwerte auf Basis epidemiologischer Studien. Exakte Zahlen variieren je nach Quelle und Erhebungsmethode.
Mehr dazu: Was genau ist eine Fettleber?

Wie häufig ist die Fettleber in Deutschland?

Die Prävalenz der Fettleber in Deutschland liegt bei etwa 23 bis 25 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Damit sind schätzungsweise 18 bis 20 Millionen Menschen betroffen — mehr als bei den meisten anderen chronischen Erkrankungen.

Bei etwa vier Prozent der Bevölkerung liegt bereits eine Fettleberentzündung (MASH, ehemals NASH) vor, also ein Stadium, in dem die Leber nicht nur verfettet, sondern aktiv entzündet ist und eine Fibrose fortschreiten kann. In metabolischen Risikogruppen — insbesondere bei Typ-2-Diabetes — steigt die Fettleber-Prävalenz auf bis zu 80 Prozent.

KennzahlDeutschlandQuelle
MASLD-Prävalenz (Erwachsene)ca. 23–25 %DGVS S2k-Leitlinie 2022; Younossi 2023
Geschätzte Betroffene18–20 Mio.Hochrechnung auf Bevölkerung
MASH-Prävalenzca. 4 %journalmed.de 2026
Prävalenz bei Typ-2-Diabetesbis zu 80 %EASL Guidelines 2024
Prävalenz bei Adipositas50–90 %DocCheck Flexikon; DGVS
Kinder und Jugendlicheca. 3 % (≈ 400.000)Deutsches Ärzteblatt

Zum Vergleich: In Deutschland leben rund 8,5 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes und etwa 20 Millionen mit Bluthochdruck. Die Fettleber bewegt sich in einer ähnlichen Größenordnung — wird jedoch gesellschaftlich und gesundheitspolitisch weit weniger wahrgenommen.

Wichtig Die Fettleber ist nicht nur die häufigste Lebererkrankung, sondern hat in Europa und den USA die Virushepatitiden als häufigste Ursache für Leberzirrhose abgelöst. Sie ist zudem eine der führenden Ursachen für Lebertransplantationen und das hepatozelluläre Karzinom (Leberkrebs).

Fettleber weltweit: Globale Epidemiologie

Die globale Prävalenz der Fettleber ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark gestiegen — von etwa 26 Prozent in Studien vor 2005 auf rund 38 Prozent in Studien ab 2016. Aktuelle Schätzungen gehen von 32 bis 38 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung aus, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen (40 vs. 26 Prozent).

RegionGeschätzte PrävalenzBesonderheiten
Lateinamerikaca. 44 %Höchste Prävalenz weltweit
Naher Osten / Nordafrikaca. 37 %Rasch steigend
Südostasienca. 33–40 %Hoher Anteil „Lean MASLD"
Europaca. 25–30 %Starke Variation zwischen Ländern
USAca. 35–48 %Häufigste chronische Lebererkrankung
Afrika (Subsahara)ca. 14–20 %Niedrigste Rate, aber steigend

🌍 Fettleber-Prävalenz nach Weltregion

Lateinamerika
~44 %
USA
~35–48 %
Naher Osten
~37 %
Südostasien
~33–40 %
Deutschland
~25 %
Europa (Ø)
~25–30 %
Afrika (Subsahara)
~14–20 %
Daten: Younossi ZM et al. 2023; Teng et al. 2023. Prävalenzangaben variieren je nach Studienmethodik und Population.

Laut der Global Burden of Disease (GBD) Studie 2021 stieg die Zahl der weltweiten Fettleber-Fälle zwischen 1990 und 2021 um rund 125 Prozent auf über 1,2 Milliarden. Die Leberzirrhose ist mittlerweile global die elfthäufigste Todesursache, und steatotische Lebererkrankungen sind in Europa und den USA zur Hauptursache geworden.

Fakt Die globale Inzidenz der Fettleber liegt bei etwa 47 Neuerkrankungen pro 1.000 Personen und Jahr. Männer erkranken häufiger als Frauen — die Lücke schließt sich jedoch nach der Menopause. Quelle: Teng et al., Clinical and Molecular Hepatology 2023

Deutschland im europäischen Vergleich

Innerhalb Europas liegt Deutschland mit einer Prävalenz von rund 25 Prozent im oberen Mittelfeld. Vergleichbare Raten finden sich in Großbritannien (24,7 Prozent) und Frankreich (23,6 Prozent), während südeuropäische Länder wie Spanien und Italien teilweise leicht höhere Raten aufweisen. Die Unterschiede spiegeln neben genetischen Faktoren vor allem die landesspezifische Prävalenz von Adipositas und Typ-2-Diabetes wider.

Die Dunkelziffer: Warum Millionen nichts von ihrer Fettleber wissen

Die Fettleber ist eine „stille" Erkrankung — sie verursacht in frühen Stadien keine Symptome und wird in der Routine-Diagnostik häufig übersehen. Die Mehrheit der Betroffenen in Deutschland weiß nichts von ihrer Erkrankung.

Drei Faktoren erklären diese hohe Dunkelziffer:

1. Keine Symptome in Frühstadien

Die Leber besitzt im Organgewebe selbst keine Schmerzrezeptoren. Eine Verfettung verursacht erst dann Beschwerden, wenn das Organ anschwillt oder eine Entzündung hinzukommt. Rund 50 Prozent der Fettleber-Patienten sind zum Zeitpunkt der Diagnose vollständig asymptomatisch — die Erkrankung wird meist als Zufallsbefund bei einer Blutuntersuchung oder Ultraschallkontrolle entdeckt.

2. Kein bevölkerungsweites Screening

Obwohl die EASL-Leitlinien (2024) ein gezieltes Screening bei Personen mit metabolischen Risikofaktoren empfehlen, existiert in Deutschland kein systematisches Fettleber-Screening — weder in der Gesundheitsvorsorge (Check-up) noch bei der Diabetes-Nachsorge. Die Fettleber hat keinen eigenen ICD-10-Diagnoseschlüssel für die gesonderte Abrechnung im ambulanten Bereich, was die gezielte Erfassung zusätzlich erschwert.

3. Geringes Bewusstsein

Ein internationaler Vergleich (NAFLD Policy Preparedness Index, Lazarus et al. 2022) zeigte, dass kein einziges der untersuchten Länder — darunter auch Deutschland — die Fettleber in seine nationale Strategie für nicht übertragbare Krankheiten aufgenommen hatte. In der Bevölkerung ist die Fettleber deutlich weniger bekannt als beispielsweise Diabetes oder Bluthochdruck, obwohl die Prävalenz vergleichbar ist.

Aus der Praxis Ein typisches Szenario: Eine Patientin, 52 Jahre, stellt sich wegen erhöhter Cholesterinwerte beim Hausarzt vor. Im Blutbild fallen nebenbefundlich leicht erhöhte GGT- und ALT-Werte auf. Erst der Ultraschall des Oberbauchs zeigt eine deutliche Leberverfettung — Grad II. Die Patientin hatte nie Beschwerden und wusste nichts von ihrer Fettleber.
Mehr dazu: Fettleber-Symptome erkennen

Wer ist betroffen? Risikoprofile in Zahlen

Die Fettleber tritt nicht zufällig auf — sie ist eng mit metabolischen Risikofaktoren verknüpft. Die MASLD-Definition setzt neben einer Leberverfettung das Vorliegen mindestens eines kardiometabolischen Risikofaktors voraus: Übergewicht, (Prä-)Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Triglyzeride oder erhöhtes LDL-Cholesterin.

RisikogruppeMASLD-PrävalenzQuelle
Allgemeinbevölkerung23–25 %DGVS 2022; Younossi 2023
Übergewicht (BMI 25–30)ca. 50–60 %EASL 2024
Adipositas (BMI > 30)ca. 70–90 %EASL 2024
Typ-2-Diabetesbis zu 80 %EASL 2024; DDG
Metabolisches Syndromca. 70 %Younossi 2023
Normalgewicht („Lean MASLD")ca. 7–20 %Teng et al. 2023

Geschlechterunterschiede

Männer sind insgesamt häufiger betroffen als Frauen — die globale Prävalenz liegt bei rund 40 Prozent bei Männern gegenüber 26 Prozent bei Frauen. Der Schutzeffekt von Östrogen erklärt diese Diskrepanz: Vor der Menopause hemmt Östrogen die Leberfettneubildung und wirkt entzündungshemmend. Nach den Wechseljahren nähert sich die Prävalenz bei Frauen dem Niveau der Männer an — teilweise übersteigt sie es sogar, da postmenopausale Frauen zusätzlich vermehrt viszerales Fett einlagern.

Fettleber bei Normalgewicht

Etwa 7 bis 20 Prozent der Fettleber-Fälle weltweit betreffen Menschen mit normalem BMI — sogenannte „Lean MASLD". In Asien ist dieser Anteil besonders hoch (bis zu 40 Prozent der chronischen Lebererkrankungen in Indien). Auch in Deutschland sollte bei metabolischen Auffälligkeiten nicht allein nach dem Gewicht geurteilt werden: Ein normaler BMI schließt eine Fettleber nicht aus.

Wichtig Die Fettleber ist die „hepatische Manifestation des metabolischen Syndroms". Wer Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette hat, sollte gezielt nach einer Fettleber suchen lassen — auch ohne Symptome.
Mehr dazu: Fettleber-Diagnose im Detail

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Fettleber bei Kindern und Jugendlichen

Die Fettleber ist längst keine Erkrankung des mittleren und höheren Lebensalters mehr. Parallel zur steigenden Adipositas-Prävalenz bei Kindern nehmen auch die Fettleber-Fälle in dieser Altersgruppe zu.

In Deutschland sind laut Schätzungen rund drei Prozent aller Kinder und Jugendlichen von einer Fettleber betroffen — das entspricht etwa 400.000 Betroffenen. Bei adipösen Kindern liegt die Prävalenz deutlich höher: je nach Studie und Untersuchungsmethode zwischen 10 und 77 Prozent.

Fakt In Deutschland sind 15,4 Prozent der 3- bis 17-Jährigen übergewichtig, 5,9 Prozent adipös. Die Raten haben sich seit 2004 auf hohem Niveau stabilisiert — die Pandemie führte zu einer zusätzlichen Gewichtszunahme besonders bei sozial benachteiligten Kindern. Quelle: KiGGS Welle 2 (RKI 2014–2017)

Besonders beunruhigend: Einzelfälle von Leberzirrhose sind bereits im Kindes- und Jugendalter dokumentiert. Bei einem geschätzten Anteil von ein bis drei Prozent progressiver Verläufe verbleiben in Deutschland mindestens 4.000 Kinder und Jugendliche mit einem hohen Risiko für eine fortschreitende Leberschädigung.

Die kindliche Fettleber wird häufig nicht als eigenständige Erkrankung wahrgenommen. Unter pädiatrischen Gastroenterologen besteht Uneinigkeit darüber, ab welchem Schweregrad eine weiterführende Diagnostik — insbesondere eine Leberbiopsie — angezeigt ist. Klare Screening-Algorithmen fehlen.

Wann sollte bei Kindern an eine Fettleber gedacht werden?

Die EASL-Leitlinien empfehlen, bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas oder metabolischen Auffälligkeiten (Insulinresistenz, erhöhte Triglyzeride) gezielt nach einer Fettleber zu suchen. Ein erster Schritt ist die Bestimmung der Leberwerte (ALT) in Kombination mit einer Ultraschalluntersuchung. In der Praxis geschieht dies bei pädiatrischen Vorsorgeuntersuchungen bislang nicht routinemäßig.

Was Eltern wissen sollten

Die gute Nachricht: Die kindliche Fettleber ist in frühen Stadien vollständig reversibel. Die wichtigsten Maßnahmen sind:

  • Ernährungsumstellung: Weniger zugesetzter Zucker, weniger Fruktose (z. B. in Softdrinks und Fruchtsäften), mehr Gemüse, Vollkornprodukte und gesunde Fette — idealerweise als familienbasierte Umstellung, nicht als „Diät" für das Kind allein.
  • Bewegung: Die WHO empfiehlt mindestens 60 Minuten körperliche Aktivität pro Tag. Regelmäßige Bewegung verbessert die Insulinsensitivität und reduziert die Leberverfettung — unabhängig vom Gewichtsverlust.
  • Ärztliches Gespräch: Wenn das Kind übergewichtig ist und Risikofaktoren vorliegen (Diabetes in der Familie, Acanthosis nigricans, erhöhte Blutfette), sollte beim nächsten Kinder- oder Hausarztbesuch gezielt nach der Leber gefragt werden.
Wichtig Der sozioökonomische Gradient ist bei Kindern besonders ausgeprägt: In sozial benachteiligten Familien ist die Adipositas-Prävalenz fast dreimal so hoch wie in Familien mit hohem Sozialstatus (14 vs. 5 Prozent bei 14- bis 17-Jährigen). Prävention muss deshalb dort ansetzen, wo die Belastung am größten ist. Quelle: KiGGS Welle 2, RKI 2018

Krankheitslast und Kosten für das Gesundheitssystem

Die ökonomische Belastung durch die Fettleber ist erheblich — wird aber systematisch unterschätzt, da die meisten Fälle nicht diagnostiziert werden und die Kosten über verschiedene Diagnosen verteilt anfallen (Diabetes, Herzerkrankungen, Lebererkrankungen).

Direkte Kosten

Eine Modellierung von Younossi et al. (2016) schätzte die jährlichen direkten medizinischen Kosten der Fettleber in Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien zusammen auf rund 35 Milliarden Euro — umgerechnet zwischen 354 und 1.163 Euro pro Patient und Jahr. Die Kosten steigen mit dem Krankheitsstadium: Patienten mit fortgeschrittener Fibrose und Komplikationen wie Zirrhose oder Leberkrebs verursachen ein Vielfaches der Kosten eines Patienten mit einfacher Steatose.

KennzahlEuropa-4*USA
Geschätzte MASLD-Fälleca. 52 Mio.ca. 64 Mio.
Direkte Kosten / Jahrca. 35 Mrd. €ca. 103 Mrd. $
Kosten pro Patient / Jahr354–1.163 €ca. 1.613 $
Höchste Kosten in Altersgruppe45–65 Jahre45–65 Jahre

* Europa-4 = Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien. Quelle: Younossi ZM et al., Hepatology 2016

Indirekte und gesellschaftliche Kosten

Die direkten Kosten bilden nur einen Teil der Gesamtbelastung ab. Rechnet man indirekte Kosten wie Arbeitsunfähigkeit, Produktivitätsverlust und vorzeitige Berentung hinzu, schätzte die gleiche Modellierung die Gesamtkosten für Europa-4 auf rund 228 Milliarden Euro jährlich. Für die USA lag die Gesamtbelastung bei geschätzten 292 Milliarden Dollar.

Zum Kontext: Die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Adipositas in Deutschland belaufen sich laut Universität Hamburg auf etwa 63 Milliarden Euro pro Jahr. Die Fettleber als häufigste hepatische Folge der Adipositas trägt zu einem erheblichen Anteil dieser Summe bei — ohne separat ausgewiesen zu werden.

Die häufigste Todesursache bei Fettleber: Das Herz

Die Fettleber ist eine Multiorganerkrankung. Die häufigste Todesursache bei MASLD-Patienten sind nicht Lebererkrankungen, sondern Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Danach folgen extrahepatische Krebserkrankungen — die Lebersterblichkeit steht erst an dritter Stelle. Dies unterstreicht, dass die Fettleber weit über die Leber hinaus gesundheitliche Konsequenzen hat.

Fakt Die Fettleber verzeichnet den höchsten Anstieg bei den behinderungsbereinigten Lebensjahren (DALYs) unter allen Lebererkrankungen weltweit. Quelle: Lazarus JV et al., J Hepatol 2023

Prognose: Wie entwickeln sich die Zahlen bis 2030?

Modellierungsstudien zeichnen ein beunruhigendes Bild. Die Fettleber-Epidemie wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen — auch bei konservativen Annahmen über die Entwicklung von Adipositas und Diabetes.

Prognosen für Deutschland (Estes et al., 2018)

Ein Markov-Modell, das auf Daten zur Adipositas- und Diabetes-Entwicklung basiert, prognostiziert für Deutschland:

  • Einen moderaten Anstieg der MASLD-Gesamtfälle um bis zu 30 Prozent bis 2030 — sofern Adipositas und Diabetes sich auf aktuellem Niveau stabilisieren. Steigen sie weiter, fällt der Anstieg höher aus.
  • Einen deutlich stärkeren Anstieg bei MASH-Fällen — da die vorhandene MASLD-Population altert und progressivere Verlaufsformen zunehmen.
  • Etwa 1,3 Millionen Menschen mit fortgeschrittener Leberfibrose (Stadium F3/F4) infolge von MASH bis 2030.

Globale Prognosen

Weltweit prognostizieren Modelle eine MASLD-Prävalenz von bis zu 55 Prozent bis 2040. Zwischen 2015 und 2030 werden allein in den USA rund 800.000 zusätzliche leberbedingte Todesfälle erwartet. Ähnliche Trends — wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung — gelten für China, Japan und die europäischen Länder.

Wichtig Die Prognosen betonen zugleich: Beide Erkrankungen — Fettleber und Fettleberentzündung — sind grundsätzlich reversibel. Eine Gewichtsabnahme von 5 bis 10 Prozent kann die Leberverfettung deutlich reduzieren. Public-Health-Kampagnen zur Früherkennung und Lebensstilmodifikation könnten die prognostizierte Krankheitslast erheblich abmildern.

📈 Fettleber-Prognose Deutschland: 2016–2030

Bewegen Sie den Regler, um die prognostizierte Entwicklung zu sehen.

2016
2016202020252030
👥 18,0 Mio. MASLD-Fälle
🔬 3,2 Mio. MASH-Fälle
⚠️ 0,8 Mio. Fortgeschr. Fibrose (F3/F4)
📊 23 % Prävalenz (Erwachsene)
⚠️ Die Eckwerte (2016, 2030) basieren auf Estes et al. 2018 (J Hepatol) und CME-Kurs.de 2025. Zwischenjahre sind linear interpoliert und stellen keine eigenständigen Studienergebnisse dar. Tatsächliche Entwicklung abhängig von Maßnahmen zur Adipositas- und Diabetesprävention.
Mehr dazu: Was ist eine Fettleber?

Häufige Fragen zur Fettleber-Häufigkeit

Wie viele Menschen in Deutschland haben eine Fettleber?

Schätzungen zufolge sind rund 18 bis 20 Millionen Erwachsene in Deutschland von einer Fettleber betroffen. Das entspricht etwa jedem vierten Erwachsenen. Die tatsächliche Zahl könnte aufgrund der hohen Dunkelziffer noch höher liegen.

Wie hoch ist die Dunkelziffer bei Fettleber?

Die Dunkelziffer ist erheblich. Da die Fettleber in frühen Stadien keine Symptome verursacht und kein systematisches Screening existiert, wissen die meisten Betroffenen nichts von ihrer Erkrankung. Studien legen nahe, dass nur ein Bruchteil der Fälle diagnostiziert wird.

Nimmt die Fettleber in Deutschland zu?

Ja. Modellierungen prognostizieren einen weiteren Anstieg der Fallzahlen bis 2030, insbesondere bei fortgeschrittenen Stadien wie Fibrose und Zirrhose. Treiber sind die steigende Prävalenz von Adipositas und Typ-2-Diabetes in der Bevölkerung.

Ist die Fettleber eine Volkskrankheit?

Ja, die Fettleber ist die häufigste chronische Lebererkrankung in Deutschland und weltweit. Mit einer Prävalenz von rund 25 Prozent der erwachsenen Bevölkerung erfüllt sie die Definition einer Volkskrankheit — vergleichbar mit Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes.

Was kostet die Fettleber das Gesundheitssystem?

Für Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien zusammen wurden die jährlichen direkten medizinischen Kosten auf rund 35 Milliarden Euro geschätzt. Rechnet man indirekte Kosten wie Arbeitsunfähigkeit und Produktivitätsverlust hinzu, steigt die Gesamtbelastung auf geschätzte 228 Milliarden Euro jährlich.

Können auch Kinder eine Fettleber bekommen?

Ja. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland rund 400.000 Kinder und Jugendliche von einer Fettleber betroffen sind — etwa drei Prozent dieser Altersgruppe. Bei adipösen Kindern liegt die Prävalenz deutlich höher, zwischen 10 und 77 Prozent je nach Studie und Untersuchungsmethode.

Weltweit — wie häufig ist die Fettleber?

Die globale Prävalenz der Fettleber liegt aktuellen Metaanalysen zufolge bei rund 32 bis 38 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Die höchsten Raten finden sich in Lateinamerika (ca. 44 Prozent), dem Nahen Osten und Südostasien. Weltweit sind über 1,2 Milliarden Menschen betroffen.

Warum wird die Fettleber so selten diagnostiziert?

Drei Faktoren tragen dazu bei: Die Fettleber verursacht lange keine Symptome, es existiert in Deutschland kein bevölkerungsweites Screening-Programm, und sowohl in der Bevölkerung als auch in Teilen der Ärzteschaft ist das Bewusstsein für die Erkrankung noch gering.

Wie viele Fettleber-Patienten entwickeln eine Zirrhose?

Etwa 16 bis 18 Prozent der MASLD-Patienten in Europa entwickeln eine Fettleberentzündung (MASH). Von diesen wiederum kann ein Teil über Jahre eine Fibrose entwickeln, die in seltenen Fällen zur Zirrhose fortschreitet. Modellierungen prognostizieren für Deutschland rund 1,3 Millionen Menschen mit fortgeschrittener Leberfibrose (F3/F4) bis 2030.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Fettleber und Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Ja, und dieser Zusammenhang ist klinisch sehr relevant. Die häufigste Todesursache bei MASLD-Patienten sind nicht Lebererkrankungen, sondern Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Fettleber gilt als unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse und teilt sich viele Risikofaktoren mit dem metabolischen Syndrom.

Quellenverzeichnis

  1. European Association for the Study of the Liver (EASL): Clinical Practice Guidelines on the Management of MASLD. J Hepatol, 2024.
  2. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): S2k-Leitlinie Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen, 2022; Amendment MASLD-Nomenklatur, 2024.
  3. Younossi ZM et al.: The global epidemiology of NAFLD and NASH: a systematic review. Hepatology, 2023; 77: 1335–1347.
  4. Younossi ZM et al.: The economic and clinical burden of NAFLD in the United States and Europe. Hepatology, 2016; 64: 1577–1586.
  5. Estes C et al.: Modeling NAFLD disease burden in China, France, Germany, Italy, Japan, Spain, United Kingdom, and United States for the period 2016–2030. J Hepatol, 2018; 69: 896–904.
  6. Rinella ME et al.: A multisociety Delphi consensus statement on new fatty liver disease nomenclature. Hepatology, 2023.
  7. Teng MLP et al.: Global incidence and prevalence of nonalcoholic fatty liver disease. Clin Mol Hepatol, 2023; 29(Suppl): S32–S42.
  8. Lazarus JV et al.: The global NAFLD policy review and preparedness index. J Hepatol, 2022; 76(4): 771–780.
  9. Lazarus JV et al.: Advancing the global public health agenda for NAFLD: a consensus statement. Nat Rev Gastroenterol Hepatol, 2022; 19: 60–78.
  10. Global Burden of Disease (GBD) 2021. Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME).
  11. Robert Koch-Institut (RKI): KiGGS Welle 2 — Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, 2018.
  12. Deutsches Ärzteblatt: Die kindliche Fettlebererkrankung — kritische Einschätzung und Ergebnisse einer Umfrage unter pädiatrischen Gastroenterologen.
  13. Byrne CD, Targher G: NAFLD: a multisystem disease. J Hepatol, 2015; 62(1 Suppl): S47–S64.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenden Sie sich bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.